Regenerative Therapie des Genitourinären Menopause-Syndroms (GSM)

Warum moderne Behandlungskonzepte heute über reine Symptomkontrolle hinausgehen

Das Genitourinäre Menopause-Syndrom (GSM) gehört zu den häufigsten chronischen Erkrankungen der postmenopausalen Frau. Schätzungen zufolge entwickeln 50–70 % aller Frauen nach der Menopause Beschwerden wie vaginale Trockenheit, Brennen, Juckreiz, Dyspareunie oder wiederkehrende Irritationen. Anders als vasomotorische Beschwerden nehmen die Symptome häufig mit zunehmender Dauer der Menopause weiter zu und beeinträchtigen nicht nur die Sexualfunktion, sondern auch das allgemeine Wohlbefinden und die Lebensqualität erheblich.

Die Ursache liegt nicht allein in der verminderten Östrogenproduktion. Mit zunehmendem Alter verändert sich die gesamte Gewebearchitektur der Vulva und Vagina. Die Zahl aktiver Fibroblasten nimmt ab, die Synthese von Kollagen, Elastin und Hyaluronsäure reduziert sich und die extrazelluläre Matrix verliert zunehmend ihre Fähigkeit, Wasser zu binden und mechanische Belastungen auszugleichen. Die Folge sind Schleimhautatrophie, Elastizitätsverlust und eine verminderte Regenerationsfähigkeit des Gewebes.

Zwischen Symptomlinderung und Geweberegeneration Die therapeutischen Möglichkeiten bei GSM haben sich in den vergangenen Jahren deutlich erweitert.1 Die aktuelle AUA/SUFU/AUGS-Leitlinie empfiehlt eine individuelle, symptombezogene Behandlung des Genitourinären Menopause-Syndroms (GSM), wobei sowohl hormonelle als auch nicht-hormonelle Therapieoptionen entsprechend der klinischen Situation berücksichtigt werden sollten.2 Neben lokalen Estrogenpräparaten kommen daher Feuchtigkeitspflege, Lubrikanzien sowie verschiedene energiebasierte Verfahren zum Einsatz. Während viele dieser Therapien Beschwerden lindern können, beeinflussen sie die biologischen Alterungsprozesse des Gewebes jedoch nur begrenzt oder adressieren überwiegend oberflächliche Schleimhautveränderungen. Auch nicht-hormonelle Hyaluronsäuregele verbessern in erster Linie die Hydratation der Mukosa, ohne die tieferliegenden regenerativen Prozesse nachhaltig zu stimulieren. Vor diesem Hintergrund rücken zunehmend Therapiekonzepte in den Fokus, die auf eine Regeneration der extrazellulären Matrix abzielen und damit die biologischen Grundlagen der Gewebealterung adressieren.
Biostimulation als neuer therapeutischer Ansatz Eine zentrale Rolle für die Gewebequalität spielt die extrazelluläre Matrix. Sie verleiht dem vulvovaginalen Gewebe Stabilität, Elastizität und Hydratation und bildet gleichzeitig die funktionelle Umgebung der Fibroblasten. Mit zunehmendem Alter verliert dieses komplexe Netzwerk an Struktur und Funktion. Regenerative Therapiekonzepte versuchen deshalb, nicht ausschließlich Symptome zu behandeln, sondern die Aktivität der Fibroblasten und den physiologischen Matrixumbau zu unterstützen. Niedermolekulare Hyaluronsäure kann hierbei nicht nur Wasser binden, sondern auch biologische Signalprozesse beeinflussen. In Kombination mit ausgewählten Aminosäuren, die als Bausteine der Kollagensynthese dienen, entsteht ein Ansatz, der auf die Wiederherstellung der Gewebehomöostase abzielt.3  
IntiCare – ein regenerativer Therapieansatz Mit IntiCare steht ein injizierbares Medizinprodukt zur Verfügung, das niedermolekulare, unvernetzte Hyaluronsäure mit sechs Aminosäuren kombiniert. Das Behandlungskonzept verfolgt das Ziel, die extrazelluläre Matrix zu regenerieren und die physiologische Gewebehydratation sowie Elastizität der vulvovaginalen Region zu unterstützen.4 Die Applikation erfolgt mittels standardisierter Mikroinjektionen im Bereich der Labia majora, des Vestibulums und der distalen Vaginalwand. In einer prospektiven multizentrischen Pilotstudie mit 84 postmenopausalen Frauen führte die Behandlung zu einer signifikanten Reduktion der Leitsymptome des GSM. Vaginale Trockenheit, Brennen, Juckreiz und Dyspareunie verbesserten sich bereits nach Abschluss der Behandlungsserie und blieben auch nach sechs Monaten gegenüber dem Ausgangsbefund deutlich reduziert. Parallel dazu stiegen sowohl die Patientenzufriedenheit als auch die wahrgenommene Lebensqualität signifikant an. Das Verfahren zeigte dabei eine gute Verträglichkeit und ein günstiges Sicherheitsprofil.

Einordnung in moderne Behandlungskonzepte

Die zunehmende Bedeutung regenerativer Verfahren spiegelt einen grundlegenden Wandel in der Frauenheilkunde wider. Während klassische Therapien vor allem die Symptomkontrolle oder den Hormonersatz adressieren, verfolgen biostimulative Konzepte das Ziel, die biologischen Voraussetzungen für eine nachhaltige Geweberegeneration zu verbessern. Sie erweitern damit das therapeutische Spektrum insbesondere für Patientinnen, die eine nicht-hormonelle Behandlung wünschen oder für eine lokale Hormontherapie nicht infrage kommen.

Ausblick

Mit der steigenden Lebenserwartung verbringen Frauen heute bis zu vier Jahrzehnte in der Postmenopause. Entsprechend wächst der Bedarf an langfristigen, gut verträglichen und evidenzbasierten Behandlungskonzepten für die vulvovaginale Gesundheit. Regenerative Verfahren wie IntiCare könnten hierbei künftig eine wichtige Ergänzung innerhalb eines individualisierten Therapiekonzepts darstellen. Gleichzeitig unterstreichen die vorliegenden klinischen Daten die Notwendigkeit weiterer randomisierter kontrollierter Studien, um die bisherigen vielversprechenden Ergebnisse weiter zu validieren.

  1. The NAMS 2020 GSM Position Statement Editorial Panel. The 2020 genitourinary syndrome of menopause position statement of The North American Menopause Society. Menopause. 2020 Sep;27(9):976-992. doi: 10.1097/GME.0000000000001609. PMID: 32852449.
  2. Kaufman MR, Ackerman AL, et al. Genitourinary Syndrome of Menopause: AUA/SUFU/AUGS Guideline. J Urol. 2025;214(2):236-252. doi:10.1097/JU.0000000000004589.
  3. De Servi B, Orlandini A, Caviola E, Meloni M. Amino acid and hyaluronic acid mixtures differentially regulate extracellular matrix genes in cultured human fibroblasts J Biol Regul Homeost Agents. 2018;32:517-527.

  4. Fasola E, Mirastschijski U, Abu Innab A, et al. Low Molecular Weight Hyaluronic Acid Combined with Six Amino Acids for Female Genital Well-Being: A Multicenter Prospective Pilot Study. Women. 2026;6:10.